Alle Jahre wieder: Eine sch- Bescherung

Noch ist’s Jahr nicht ganz vollbracht,
da hat sich Panik breitgemacht:
Meetings, Mails und lange Listen,
Deadlines und Tabellen zwisten;
der Jahresendsprint ist entfacht.

Vorher schien es schnell und leicht,
doch jeder Tag so rasch nun weicht,
ein Riesenstapel Tasks und Seiten,
Teams ist voller Planungszeiten,
Jeder Milestone träge schleicht.

Doch bald nun ist die Lage klar:
Fristen sind zum Brechen da!
Und zwischen Aktenbrand und Excel
schimpft man diesen Jahreswechsel,
Ein Letztes zeigt sich offenbar:
All’s wird gut – im Januar.

Eigentlich hatten John, Holly, Hans und der Rest des Projektteams sich geschworen, dieses Jahr würde alles anders werden. Strukturierter. Ruhiger. Möglicherweise sogar ein wenig festlich. Doch der Dezember hatte die besondere Gabe, jeden Projektplan in ein flackerndes, wild blinkendes Etwas zu verwandeln, das aussah, als hätte ein hyperaktiver Elf mit einer Lichterkette und drei Litern Redbull im Blut versucht, Projektmanagement zu interpretieren.

Kaum dudelten die ersten Weihnachtslieder durch die Geschäfte und der Tannenbaumschmuck wurde aus dem Keller gekramt, breitete sich jene besondere Mischung aus Lebkuchenduft und Panikschweiß aus. Man könnte meinen, die Vorweihnachtszeit sei eine Gelegenheit für Besinnlichkeit, doch das Projektteam ist voll und ganz mit dem Versuch beschäftigt, verzweifelt so zu tun, als sei alles unter Kontrolle…

Was im Oktober noch wie eine solide Roadmap gewirkt hatte, sah nun aus wie ein explosiver Unfall aus Tusche, Deckweiß und Glitter.

Der Dezember begann, wie so oft, mit einem Meeting-Marathon, der jeden Kalender in ein chaotisches Mosaik aus Terminen, Überlappungen, Absagen und Wiederansetzungen verwandelte.

„Ich schwöre, Microsoft hat mir gerade den Mittelfinder gezeigt“, grummelte John eines Morgens, nachdem er Teams geöffnet hatte. Hans nickte nur düster. „Ich habe gestern im Schlaf ein Review-Meeting moderiert.“

Und wieder standen neue Termine in der Übersicht. „Kickoff zum Alignment des Jahresendabschlusses?“, las Holly laut vor. „Das hatten wir doch gestern schon“, stöhnte sie entnervt. „Nein“, korrigierte Hans resigniert, „gestern war das Follow-up zum Pre-Alignment. Heute ist das Follow-up zum Follow-up.“ „Ich kündige“, sagte John. Niemand nahm es ernst.

Meetings produzierten neue Meetings, sie wurden angesetzt, scheinbar um sich selbst wieder neu zu schaffen. Zu allem Übel dehnten sich die Besprechungen mit jedem weiteren geöffneten Kalendertürchen immer weiter aus. Wie ein mit Klebstoff versetzter Industriekäse zogen sich die Diskussionen in die Länge.

Die „kurze“ Sitzung zum Rückblick auf die gesetzten und erreichten Meilensteine, die für 30 Minuten angesetzt war, dauerte sagenhafte 2 Stunden und 48 Minuten und letztlich einigte man sich darauf, alles Offengebliebene im Meeting am nächsten Morgen abzuschließen… Es war schon erstaunlich, wie alles, was elf Monate Zeit gehabt hätte, ganz plötzlich in den letzten 14 Tagen kritisch wurde.

Und dann ein Memo der Finanzabteilung.

Holly las es vor, als würde sie eine Hiobsbotschaft verkünden: „‚Vom Budget ist noch zu viel übrig. ‚Bitte bis Jahresende ausgeben, sonst wird es nächstes Jahr gekürzt.‘“ John riss die Augen auf. „Das ist… das ist ein Freifahrtschein!“ Hans grinste schief. „Oder ein Todesurteil.“ „Da freu dich mal nicht zu früh“, setze ihm Holly sarkastisch nach.

Was folgte, war ein Shopping-Spurt der Extraklasse. Das Team reagierte wie überzuckerte Kinder im Spielzeugladen: ergonomische Stühle, Massagesessel, Schokobrunnen – die Möglichkeiten schienen endlos!

„Brauchen wir wirklich einen lebensgroßen, aufblasbaren Schneemann?“, fragte Holly mit hochgezogener Augenbraue. „Er heißt jetzt Olaf“, sagte John bestimmt. „Und ja.“

Am Ende lagen Bestellungen auf dem Tisch, die spätestens im März niemand mehr würde erklären können. Darunter 1.000 Drehknopf-Kugelschreiber mit Firmenlogo, 100 Tassen mit der Aufschrift „Agil durch die Weihnachtszeit“, und natürlich Olaf, der Schneemann, der fortan die Rezeption unterstützen sollte.

Schließlich stand auch noch die Weihnachtsfeier an. Sie sollte eigentlich „ganz gemütlich und entspannt“ werden. Natürlich wurde sie das nicht.

Der Caterer kam zu spät und mit der falschen Bestellung. Die Playlist bestand aus einer Endlosschleife von Weihnachtsschlagern, die schon im Vorjahr traumatische Erinnerungen hinterlassen hatten. Und der Karaoke-Wettbewerb zur „Stärkung des Teamgeistes“ wurde zu einem Test der kollektiven Leidensfähigkeit.

„Hans, du musst jetzt nicht schon wieder Last Christmas singen“, flüsterte Holly. „Doch“, sagte Hans mit todernster Miene. „Es steht auf der Agenda.“

Als am nächsten Morgen alle mit Kopfschmerzen und schlechter Laune wieder an ihren Schreibtischen saßen, kam auch schon die nächste Katastrophe: „Alle Rechnungen müssen HEUTE freigegeben werden, sonst rutscht alles ins nächste Jahr!“, rief John, der die Mail als Erster entdeckt hatte. Als Antwort auf seinen Aufschrei fiel das WLAN aus.

„Das ist ein Zeichen“, sagte Hans unheilverkündend.

Je näher die Feiertage rückten, desto heißer liefen die Gemüter. Das Jahresendfieber setzte endgültig ein: Alles musste JETZT fertig werden. SOFORT. Seit gestern schon!

Die letzten Tasks wurden zu retten versucht, während neue Anforderungen wie Hagelkörner vom Himmel fielen. Zwischenzeitlich war John überzeugt, dass der Drucker ihn persönlich hasste, während Holly ernsthaft mit der Idee spielte, ihren PC in Brand zu setzen und Hans grübelte über die Möglichkeit, das gehässig überfüllte Whiteboard des Meetingraums von einem 35-Stockwerke hohen Turm zu werfen…

Und dann – endlich, endlich! – war der ersehnte Feiertagsurlaub da. In dem verschwommenen Gewusel und der Hektik der letzten Wochen wusste niemand mehr genau, wie sie es geschafft hatten, aber irgendwie wurden alle Aufgaben abgeschlossen (auf die eine oder andere Weise). Wie in einem guten Weihnachtsfilm wurden Holly, John und Hans schließlich durch ein magisches Happy End erlöst.

Das Budget war verplant. Alle Rechnungen gestellt. Belege bezahlt. Das Internet war doch noch für die letzten notwendigen E-Mails zurückgekehrt. Die wichtigsten Tasks waren abgeschlossen, die unwichtigeren… nun ja… der Januar kam bestimmt.

Das Team verließ das Büro mit einem Gefühl von Erschöpfung und bittersüßer Zufriedenheit. All das Chaos, der Stress und die spontanen Eskalationen… Aber schließlich war es überstanden.

„Wir haben’s überlebt“, sagte Holly. „Gerade so“, murmelte Hans. John grinste. „Dann bis nächstes Jahr.“

In der ersten Januar-Woche würde mindestens eine Mail mit dem Betreff: „Kurze Rückfrage zum Projekt aus dem letzten Jahr“ eintrudeln — und das Abenteuer würde von vorn beginnen. Ein Abenteuer voller Überraschungen, spontaner Wendungen, unerwarteter Gäste und gelegentlicher Nervenzusammenbrüche. Aber auch eines voller Teamgeist, Humor und jener kleiner Momente, die zeigten, warum man diesen Job trotz allem doch irgendwie gern macht.

Und wer weiß… Vielleicht wird es im nächsten Jahr entspannter. Vielleicht.